Sport in der Polizei

DPSK-Führungskräfteseminar "Gesundheits- und Präventionssport" im Ostseehotel Damp

Weichenstellung für die Fitness in der Polizei

Sicherheit braucht Fitness, lautet eine Kernthese der kürzlich vom Deutschen Polizeisportkuratorium (DPSK) verfassten Grundpositionen zum Sport in der Polizei. Körperliche Leistungsfähigkeit ist eine der Schlüsselqualifikationen für die Funktionsfähigkeit der Polizei.

 

Sie ist eine Voraussetzung, um die Bürgerinnen und Bürger zu schützen und sich selbst zu sichern. Somit handelt es sich um ein Thema von erheblicher Bedeutung für die Polizeien der Länder und des Bundes. Diese Bewertung hat auch die Ständige Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder in der 192. Tagung (21./22. Juni 2011 in Frankfurt/Main) getroffen.

In besonderer Verantwortung stehen dabei besonders die Vorgesetzten, den Sport im Polizeivollzugsdienst als Mittel zum Erhalt der körperlichen Fitness zu fördern. Sport, regelmäßig und richtig betrieben, dient nicht nur im besonderen Maße der körperlichen Leistungs- und Einsatzfähigkeit der Polizei, sondern wirkt sich insbesondere auch positiv auf die persönliche Gesunderhaltung aus. 

Vor dem Hintergrund eines durchschnittlich älter werdenden Personals gewinnt der Gesundheits- und Präventionssport (GPS) immer mehr an Bedeutung. Das DPSK hat diese Bedeutung schon frühzeitig erkannt und führt seit 2004 für hochrangige Führungskräfte Fortbildungsmaßnahmen zum Thema „Gesundheits- und Präventionssport“ durch. 


fuehrungskraefteseminarAufgrund der positiven Resonanz dieser Veranstaltungen fand vom 13.09.-15.09.2011 im Ostseehotel Damp ein weiteres Seminar statt. 20 Führungskräfte der 4. Qualifikationsebene der Polizeien der Länder und des Bundes erlebten dabei nicht nur hoch kompetente Referenten, sondern wurden auch selbst sportlich aktiv.
 
Die Ausrichtung der Veranstaltung hat im Auftrag des DPSK das Land Schleswig-Holstein übernommen. Sie lag damit in den bewährten Händen der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei Schleswig Holstein. Deren Chef, zugleich Polizeisportbeauftragter des Landes, Leitender Polizeidirektor Jürgen Funk, begrüßte die Teilnehmer. Er betonte unter anderem die Zielsetzung, vielfältige Informationen und praktische Beispiele zu liefern, um den Gesundheits- und Präventionssport an die Führungskräfte heranzubringen und sie als Multiplikatoren zu gewinnen. Der GPS braucht die aktive Förderung durch die Führungskräfte und lebt u.a. von deren Vorbildfunktion.
 
Die professionelle Organisation des Seminars wurde bereits zum sechsten Mal von PHK Holger Böttcher, ehem. Fachwart GPS im DPSK, vorgenommen. Ihm ist es wieder gelungen, hochkarätige Referenten zu gewinnen, die alle Facetten der Thematik wissenschaftlich fundiert und überzeugend vermittelt haben. Zusammen mit dem Fachwart im DPSK für GPS; PHK Peter Barnack, Hessen, führte er außerdem die praktischen Trainings mit den Teilnehmern durch. Letzterer stellte zuvor die Ziele und Inhalte des GPS sowie die Nahtstellen zum Behördlichen Gesundheitsmanagement vor.
 
„Gut sein, wenn es darauf ankommt“, lautete das erste Thema. Der Referent vermittelte ein Potpourri an Informationen, um „just-in-time“, auf den Punkt genau, Spitzenleistung abrufen zu können. Um richtig gut zu sein und nicht unter Druck zu versagen, ist ein systematisches, planmäßiges Training erforderlich. Die Ausführungen zu den vorgestellten Stressmodellen waren für die Führungskräfte sehr gewinnbringend, weil diese auch auf die Situation in der Polizei übertragbar sind. Der Referent nahm aber auch die Führungskräfte selbst in die Pflicht. Um den hohen Anforderungen als Führungskraft in der Polizei gewachsen zu sein, ist eine acht- bzw. aufmerksame Wahrnehmung der körperlichen, psychischen und geistigen Signale erforderlich. Die Wahrnehmung der eigenen Person und das Selbstbild der Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle. Gelassenheit, Motivation, positive Selbstinstruktion waren Themen, die mit den Führungskräften diskutiert wurden.
 
„Gesundes Altern durch Sport“, lautete ein weiterer, hoch interessanter Vortrag. Überrascht waren die Teilnehmer, dass es über 200 gesundheitliche Risikofaktoren für kardiovaskuläre Todesfälle und Krebserkrankungen gibt. Neben den hinreichend bekannten Faktoren wie Cholesterin, Fettsucht oder Rauchen, spielen auch die Dauer der täglichen Arbeitszeit, Belastungssituationen und Sorgen ebenso eine Rolle wie die Körpergröße, die Beinlänge, der Geburtsmonat und sogar ein akademischer Grad.
 
„Die Gesundheit im Alter ist ein Faktor, der relativ gut zu beeinflussen ist“, lautete die Botschaft. Was kann nun Sport bei den Risikofaktoren positiv beeinflussen? Die entscheidende Frage ist nicht, wie viel Sport jemand macht, sondern wie fit er ist. 60 Prozent der Fitness sind genetisch bedingt, 40 Prozent können durch Sport beeinflusst werden. Ein hoher Fitnesslevel bedeutet weniger kardiovaskuläre Todesfälle und weniger Krebserkrankungen. Ein niedriger Fitnesslevel ist der größte Risikofaktor.
 
„Niemand profitiert so sehr von Sport- und Trainingsmaßnahmen wie die über 50/60-Jährigen.“ Die Fitness schlägt mit Ausnahme des Rauchens, alle anderen Risikofaktoren in ihrer Bedeutung. Auch dieser Referent kam zu dem Ergebnis, dass ein strukturiertes Sportprogramm erforderlich ist, um zielgerichtet etwas für die körperliche Fitness zu tun. Aus sportmedizinischer Sicht kann damit auch einem Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit entgegengewirkt werden. „Regelmäßige körperliche Aktivität ist der entscheidende Schutzfaktor, besser als ein Gedächtnistraining“, lautete die Botschaft. Die Trainierbarkeit bleibt dabei bis ins hohe Alter erhalten. Der Referent empfiehlt Trainings zur Verbesserung der Kraftwerte, Koordination und Ausdauer. Er gab Empfehlungen für Sport und körperliche Aktivität aus präventiver Sicht und stellte geeignete Messverfahren zur Leistungsdiagnostik vor.
 
Der Personalreferent der Polizei des Landes Schleswig Holstein, Leitender Polizeidirektor Jürgen Anhalt, stellte in seinem Vortrag zum Thema „Demographische Entwicklung und eingeschränkte Dienstfähigkeit“ klar, dass Gesundheit und Prävention vor dem Hintergrund der Altersentwicklung in der Polizei eine enorm wichtige Rolle spielt. Die demografische Entwicklung hat vielfältige Folgen, z.B. auf den Feldern der Nachwuchsgewinnung, Personalentwicklung, dem Wissensbestand und der Fehlzeiten.
Im Schwerpunkt befasste sich der Referent mit dem Thema Fehlzeiten und Verwendungseinschränkungen. „Was wissen wir eigentlich über Lebensarbeitszeiten“, lautete eine Frage. Die Antwort von Prof. Dr. Friedhelm Nachreiner: „Ausgesprochen wenig“. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema der eingeschränkten Dienstfähigkeit im Polizeivollzugsdienst zu beschäftigen. Themen wie Dienstsport, Gesundheits- und Präventionssport, Work-Life-Balance, Selbstverantwortung spielen dann eine wichtige Rolle. Ein Lösungsansatz ist es auch, „Vorgesetzte als Gesundheitsmanager“ zu gewinnen. Das Management hat nämlich einen großen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. So führen z.B. große Firmen Workshops mit Führungskräften zu Themen wie „Gesund führen – was heißt das eigentlich?“ durch.
„Was ist ein gesunder Lebensstil?“. Zu diesem Thema haben die Teilnehmer ebenfalls eine Fülle von Informationen erhalten. In den Wohlstandsgesellschaften haben sich die Menschen in der Ernährung von den biologischen Signalen entfernt. Man isst, obwohl gar kein Hunger vorhanden ist. Die Folge sind Übergewicht und Fettsucht. Über die Hälfte der Bevölkerung hat Übergewicht, 14 Millionen Deutsche sind sogar stark übergewichtig. Die Folgen sind dramatisch: Diabetes, metabolisches Syndrom, Bluthochdruck, Fettwechselstörungen und ein enormes Risiko der Lebenszeitverkürzung bis zu 13 Jahre (bei Adipositas in Kombination mit Rauchen).
 
Die Lebenserwartung der Männer beträgt im Durchschnitt 75,6 Jahre, bei Frauen 81,3 Jahre. „Gesunde Lebensjahre“ liegen bei den Frauen bei 60,8 Jahren, bei Männern 61,3 Jahre. „Die letzten 14 Jahre sitzen Männer und die letzten 20 Jahre Frauen beim Arzt“. Ziel muss es sein, mehr gesunde Lebensjahre zu genießen. Was soll nun ein Übergewichtiger machen? 90 Prozent wollen eine schnelle Lösung und wenig dafür tun. In der Folge suchen sie den Arzt auf und entscheiden sich für eine medikamentöse Behandlung. „Viel hat der Arzt aber nicht zu bieten“, betonte der Referent. Wer kann überhaupt was machen? Es bleibt das Prinzip Eigenverantwortung, der steinige Weg der Änderung des Lebensstils. In den Empfehlungen des Referenten steht dabei ganz oben die Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.
 
„Verhalten ändern - aber wie?“, das ist die entscheidende Frage. Das abschließende Referat befasste sich mit dieser Thematik. „Die Eigenmotivation steht dabei im Mittelpunkt“. Wie bringe ich „Couch-Potatoes“ in Bewegung? Die traditionelle Vorgehensweise ist es, auf die Leute einzureden, sie zu belehren. Der Appell an die Vernunft zeigt meist wenig Wirkung, das wusste schon Goethe: „Denken ist einfach, handeln ist schwierig, aber seine Gedanken in die Tat umzusetzen, das ist das Allerschwierigste“.
 
Die Führungskräfte erhielten deshalb viele Informationen zu den Themen Einstellungen und Verhalten. Entscheidend für Verhaltensänderungen sind die Gefühle: „Das Zielverhalten muss positive, gefühlsmäßige Bewertungen haben“. Der Referent stellte einen „Methoden-Kanon“ vor, um Bewegungsmuffel in Form zu bringen. Kleine, aber sichere Schritte und die tägliche Erfolgskontrolle sind dabei wichtig.