Sport in der Polizei

Ländervergleichskampf Schwimmen in der Ukraine

Die siegreiche deutsche Mannschaft mit Pokal und PolizeichefDnipropetrowsk/Ukraine. Bei einem Ländervergleichskampf im Schwimmen in der Ukraine wurde hochklassiger Schwimmsport geboten. Die Schwimmerinnen und Schwimmer der Polizei wussten dabei zu überzeugen und konnten eine Vielzahl von Podestplätzen erkämpfen.

 

Am Sonntag, 25.09.2011, brach eine kleine aber feine Delegation der deutschen Polizei zu einem Länderkampf Schwimmen in die Ukraine auf. Damit traten die beiden stärksten Nationen der letzten Europäischen Polizeimeisterschaft zu einem Vergleichskampf an. Gleichzeitig nutzten die ukrainischen Gastgeber diesen Wettbewerb als Ausrichter der EPM 2013 im Schwimmen und Retten als Testlauf.
Die Anreise der deutschen Mannschaft nach Dnipropetrowsk – ein echter Zungenbrecher mit 1,5 Millionen Einwohnern – erwies sich als tückisch und langwierig, da der einzige Direktflug von Berlin gestrichen wurde. Mit der Fahrt aus den Bundesländern zum gemeinsamen Treffpunkt Berlin und einer Zwischenlandung in Kiew entwickelte sich die Reise somit zu einer Tagestour von annähernd 12 Stunden Dauer.
In Dnipropetrowsk wurden wir herzlich empfangen. Unser Dolmetscher „Dimitri Bibikov“ wich uns fortan nicht mehr von der Seite und erfüllte uns jeden Wunsch. Das war auch gut so, denn ohne Dolmetscher ist man in der Ukraine verloren, selbst der Versuch etwas zu lesen oder gewisse Begrifflichkeiten abzuleiten ist zum Scheitern verurteilt.

 

Am Montag wurde zunächst das Trainerteam und anschließend die komplette Mannschaft vom örtlichen Polizeichef "Major General Viktor Babenko" empfangen, welcher sich viel Zeit nahm und die Strukturen der ukrainischen Polizei darstellte. Auf Nachfrage durften wir sogar einen Blick in die „Leitstellen“ der Zentrale und der Stadtmitte werfen. Ich habe viele Fragezeichen in den Augen unserer Kollegen/-innen gesehen, denn die Polizei einer Millionenstadt in Deutschland lässt sich mit diesen Führungs- und Einsatzmitteln nicht erfolgreich steuern – in der Ukraine gelingt so etwas ohne viel Technik, allerdings mit GPS-Daten aller vorhandenen Einsatzmittel.
Am Nachmittag fand die Mannschaftsführerbesprechung statt. Entgegen der Einladung waren wir Teil einer offenen ukrainischen Polizeimeisterschaft, wobei die 20 Regionen des Landes jeweils eine eigene Mannschaft stellten. Im Ergebnis gingen also 21 Mannschaften an den Start. Jörg Neumüller (Bayern) hatte die große Ehre in dieser Runde den Rettungsmehrkampf der deutschen Polizei vorzustellen. Mit der vorbereiteten Präsentation (als guter Gastredner natürlich vorbereitet in ukrainischer Sprache und Schrift!) konnte er diesen Wettkampf den anwesenden Mannschaftsführern näher bringen. Er wird definitiv Teil der nächsten EPM sein und soll als Test erstmalig bei den nächsten Ukrainischen Meisterschaften durchgeführt werden.
Die abendliche Eröffnungsveranstaltung stand im Zeichen ukrainischer Kultur und war beeindruckend. Insbesondere die Tanz- und Volkloregruppe der Polizei Dnipropetrowsk bot ein starkes Programm. Diese gewinnen auch regelmäßig den Landesvergleich.

 

Am Mittwoch- und Donnerstagvormittag ging es dann sportlich zu. Wir waren sehr gespannt wie sich unsere kleine Gruppe schlagen würde. Immerhin finden sich in den TOP 25 der Ukraine einige Polizeibeamte. Ich nehme es vorweg, bei 21 Wettkämpfen konnten wir zehn Siege, drei zweite und vier dritte Plätze belegen, Vier mal blieb uns nur Platz 4 oder 5. Allerdings wurde schnell klar, dass die Polizei aus Dnipropetrowsk selbst unser größter Gegner sein würde. Sie konnte ebenfalls zehn Siege verzeichnen. Damit war auch klar, dass der Polizeichef am Montag nicht umsonst sehr stolz auf die sportlichen Leistungen seiner Beamten war, welche am  Leistungsstützpunkt der Ukraine sportlich und dienstlich aktiv sind.

 

Es ging in allen Wettkämpfen ähnlich zu wie bei unserer eigenen DPM. Die SpitzeStaffelwechsel Deutschland, 4 x 100m Lagen, Platz 1 liegt eng beieinander, dahinter wird die Masse breit aber bis zum Schluss frenetisch angefeuert. Nina Warneke (NRW) machte den Anfang und wurde mit guten 28,36 Sekunden über 50m Freistil Dritte. Insbesondere aber die Siegerin aus der Ukraine, Ganna Dzerkal, bewies mit 27,02 Sekunden die Leistungsfähigkeit unseres Gastgebers. Mit dem fünften Platz über 50m Schmetterling am zweiten Tag (30,19 Sekunden) wurde deutlich, dass Nina ihr Trainingspensum deutlich steigern muss, will sie 2013 das Treppchen der EPM erklimmen.

 

Aber wir konnten kontern. Christoph Fildebrandt (Hessen) siegte in gleicher Disziplin in 23,55 Sekunden und mit etwas mehr als einer halben Sekunde Vorsprung. Noch deutlicher machte er es am zweiten Tag über 100m Freistil in 51,35 Sekunden. Fast 2 Sekunden Vorsprung zeigten, zu was die Mannschaft in 2013 zu leisten in der Lage sein kann. Ähnlich deutlich konnte Cathleen Großmann (Hessen) die 50m Rücken in 32,45 Sekunden und am Donnerstag die 100m Rücken in 1:08,77 für sich entscheiden. Sie musste sich nur über 200m Lagen geschlagen geben und mit 2:29,14 war Platz zwei ungefährdet. Die Siegerzeit von 2:23,65 war für Sie an diesem Tag allerdings unerreichbar.
Im Wettbewerb über 50m Rücken dominierte erneut die Ukraine mit einer tollen Zeit von 27,31 Sekunden – allerdings vor einem deutlich unter seinen Möglichkeiten schwimmenden Thomas Rueter (NRW). Ihm merkte man sehr deutlich die Strapazen des Trainings der letzten Monate an, da er versucht, neben dem Beruf den Anschluss an die Deutsche Spitze zu finden. Sein vierter Platz in 28,14 Sekunden war zu diesem Trainingszeitpunkt und bei (gewohnt) schwachem Start hoch zu bewerten. Besser lief es dann auch mit Platz drei in 59,85 Sekunden über die 100m Rücken. Allerdings war die Siegerzeit von 58,22 Sekunden auch nicht von schlechten Eltern.
Ganz schwer hatte es Nicole Kentschke (NRW) über 50m und 100m Brust. Hier werden wir bis 2013 noch nachlegen und viele harte Trainingseinheiten einplanen müssen. Nicole belegte in 1:22,61 Platz fünf über 100m und in 37,89 Sekunden den vierten Platz über 50m. Die Damen der Ukraine sind mit den Siegeszeiten von 1:14,05 und 34,50 Sekunden weit weit entfernt.
Das sieht bei den Herren ganz anders aus. Hier konnte Johannes Neumann (Hessen) sein Können zeigen und beide Brust-Strecken deutlich gewinnen (100m in 1:04,05 und 50m in 29,33). Allerdings blieb der wohl bekannteste Ukrainische Schwimmer, Igor Borysik (jeweils Platz zwei in 1:05,34 und 29,89), Finalist von Beijing 2008 und mit einer Bestzeit von 58,67 (+0,09 zum aktuellen Weltrekord) deutlich unter seinen Möglichkeiten.
Jana Hämmer (Schleswig-Holstein) musste sich am ersten Tag über 100m Schmetterling beweisen und belegte in für sie guten 1:08,32 Sekunden den dritten Platz. Allerdings waren die beiden ersten Plätze mit einer Zeit von 1:05 auch hier recht weit weg. Die gleiche Platzierung, allerdings viel näher an der Konkurrenz, erreichte sie am Folgetag über 100m Freistil in 1:01,87. Hier fehlte eine gute Zehntelsekunde zu Silber.
Denes Schröder (Berlin) sollte sich über 100m und 50m Schmetterling messen. Die längere Distanz konnte er mit mehr als 1 Sekunde Vorsprung klar gewinnen (57,32 Sekunden), während er bei der kürzeren Strecke (26,06 Sekunden) „nur“ Platz 2 belegte. Sprinterqualitäten lassen sich in den kommenden zwei Jahren aber noch gut antrainieren!
Den Tagesabschluss der Einzelwettkämpfe bestritt jeweils unser Langstreckenspezialist Robert Nüßle (Thüringen). Über 200m Lagen musste er sich am ersten Tag noch knapp  geschlagen geben und belegte in 2:12,91 Platz zwei. Über 400m Freistil siegte er sehr überlegen mit mehr als 8 Sekunden Vorsprung in 4:08,83.
Die beiden Staffeln, welche die Wettkampftage abschlossen, waren dann eine Angelegenheit unseres Teams. Sowohl  die 4x100m Lagenstaffel, als auch die 4x100m Freistilstaffel wurden mit deutlichem Vorsprung gewonnen.
Herauszuheben sind an dieser Stelle der Kampfgeist und die Leistung unserer Damenstaffeln. Es gab im Rahmen dieser Wettkämpfe nur die deutschen Damenstaffel. Im Feld der 21 meist Herren- und wenigen Mixed-Mannschaften belegten unsere Damen Platz 12 und Platz 10. Einige Herren der Konkurrenz staunten doch sehr, als sie sich an den deutschen Damen die Zähne ausbissen.
Die Nachmittage standen uns zur Erholung zur Verfügung. Diese wurden von unter anderem genutzt, etwas über das Land, die Leute und die ukrainische Polizei zu erfahren. Bei einer Schiffsfahrt auf dem drittgrößten Fluss der Welt (Dnjepr) wurde uns die Historie der Stadt erläutert, welche zu Zeiten der Sowjetunion vollständig abgeriegelt war. Eine Millionenstadt - von der Außenwelt abgeriegelt. Eigentlich für uns nicht zu begreifen. Mit dem erworbenen Wissen, dass hier das komplette militärische und zivile Raketenprogramm der Sowjetunion entwickelt und gebaut wurde, kann dies dann allerdings nachvollzogen werden. Selbstverständlich wollten wir mit diesem Wissen auch das Raketenmuseum besichtigen. Dort erläuterte uns ein ehemaliger Ingenieur die Geschichte der russischen Nuklearraketen und der zivilen Raketentechnologie bis in die heutige Zeit.
Nach einem Abstecher in das Raketenmuseum besuchten wir die größte Polizeischule der Region. Auch diese konnten wir besichtigen und einen Überblick über die ukrainische Polizeiausbildung gewinnen. Dabei konnten wir die strenge Formalausbildung, die mit der deutschen Ausbildung vergleichbare Schießausbildung kennen lernen und konnten die Sporträume sowie die 60-Betten-Zimmer besichtigen. Höhepunkt war die Möglichkeit, die ukrainische Ausbildungsmethode zur Erhöhung Trefferquote und Verbesserung der Zielgenauigkeit mittels Laserpistole sowie das Schießen mit ukrainischen Dienstwaffen selbst aktiv erleben zu dürfen.

 

Dieser Länderkampf war in erster Linie ein sportlicher Erfolg, wir konnten aber auch viel über die Ukraine, das Leben in diesem Land und die dortige Polizei erfahren. Die deutsche Mannschaft hat sich hervorragender Botschafter Deutschlands und der Deutschen Polizei gezeigt. Das große Interesse, der Respekt und die Offenheit dem Gastgeber gegenüber waren vorbildlich. Ganz nebenbei konnten wir sicherlich auch einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die EPM 2013 in der Ukraine ein Erfolg wird.