Acht hochrangige Polizeibeamte aus dem südostasiatischen Staat Myanmar nahmen sich auf ihrer Informationsreise nach Deutschland einen Tag Zeit, um neben den Aufgaben des DPSK auch die Strukturen der Polizeiausbildung in Bayern am Beispiel der Bereitschaftspolizeiabteilung in Königsbrunn anschaulich kennenzulernen






Das Land Myanmar, vielen noch besser bekannt unter dem früheren Namen Burma, beschreitet seit etwa 2010 einen kontinuierlichen Demokratisierungsprozess. Am 7. November 2010 fanden die ersten Wahlen seit 1990 statt, woraufhin die seit 1962 herrschende Militärdiktatur am 4. Februar 2011 einen zivilen Präsidenten als Staatsoberhaupt einsetzte. 2016 übernahm die Partei von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi die Regierung. Die Parteiführerin wurde Außenministerin, amtierender Staatspräsident ist seit 2018 Win Myint.
Die Reform der Polizei in Myanmar wird von der Europäischen Union mit dem Projekt MYPOL mit 30 Millionen Euro in den Jahren 2017 bis 2021 unterstützt. Deutschland beteiligt sich daran in einem Konsortium über die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die deutsche Komponente in MYPOL konzentriert sich auf die Aus- und Fortbildung und strategische Unterstützung des Personalwesens, welche auch Ausstattungshilfe anbietet. Die Verbindung der Zivilgesellschaft mit der Polizei ist ebenso ein wichtiger Bestandteil der deutschen Komponente in MYPOL und daher ist das Programm „Judo for Peace“ als Plattform sehr relevant. Der Projektleiter Oliver Janser, ein aus Kaufbeuren stammender ehemaliger Bundespolizist, führte die Delegation mit drei Begleitern von MYPOL und acht myanmarischen Polizeiausbildungsleitern von verschiedenen Polizeieinheiten nach einem Besuch im Saarland und Baden-Württemberg nach Königsbrunn. Dort erklärte ihnen der Abteilungsleiter, Polizeidirektor Thomas Fichtner, die Struktur der Polizeiausbildung mit den drei Säulen Rechts-, Handlungs- und Sozialkompetenz anhand seiner Bereitschaftspolizeiabteilung.


(Johannes Daxbacher beim Vortrag über die Aufgaben des DPSK)

Johannes Daxbacher stellte neben der Organisation, den Aufgaben und den Grundpositionen des DPSK die besondere Bedeutung des Polizeisports, sowohl in der persönlichen Ausbildung jedes Polizeibeamten, als auch in der Spitzensportförderung durch die Polizei heraus. Daxbacher ist der verantwortliche Fachwart für Judo und Selbstverteidigung im Deutschen Polizeisportkuratorium (DPSK) und auch im Weltjudoverband engagiert. „Judo und Selbstverteidigung vermitteln Werte, ermöglichen in vielen Einsätzen eine smarte Konfliktlösung ohne Waffeneinsatz und stärken die Fitness und das Auftreten der Polizeibeamten“, so Daxbacher. Darin stimmten die Besucher aus Myanmar mit ihm überein, denn auch dort gehöre Judo zur Polizeiausbildung. Norbert Schwalber, Vizepräsident der Polizeisportvereine Deutschlands und Vorsitzender des Polizeisportvereins Königsbrunn, ging auf die Brückenfunktion der Polizeisportvereine ein. „In Königsbrunn trainieren tagsüber die Beamten in Ausbildung und abends Kinder und Erwachsene aus der Bevölkerung auf den gleichen Sportplätzen und in der gleichen Judohalle. Das schafft eine Verbindung zwischen den Bürgern und der Polizei und ist zugleich die beste Nachwuchswerbung“, sagte der frühere Seminarleiter und empfahl diese offene Arbeit auch den Kollegen aus Myanmar. Daxbacher wurde um seine Unterstützung zum Aufbau solcher Strukturen gebeten, wie er sie schon seit Jahren ehrenamtlich in Äthiopien und Sudan praktiziere.

Die MYPOL-Delegation konnte sich anschließend von den Ausbildungs- und Sportstätten in Königsbrunn ein Bild machen. Anschließend wurde sie im Königsbrunner Rathaus von der Dritten Bürgermeisterin Ursula Jung begrüßt, wo sich alle Gäste und Gastgeber in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Am abendlichen Empfang im Hotel Zeller nahm auch der Europaabgeordnete Markus Ferber teil, der das Engagement der EU in diesem Projekt ausdrücklich unterstützt.


(Projektleiter Oliver Janser trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Königsbrunn ein; hinter ihm EPHK a.D. Norbert Schwalber und 3. Bürgermeisterin Ursula Jung

Der Leiter der Myanmar-Delegation, Police Brigadier General Aung Aung, erwiderte dessen Grußwort und bedankte sich für die Förderung der Polizeireform seines Landes durch die Europäische Union. Zum Abendessen erschienen die Polizisten aus Myanmar in ihrer traditionellen Landestracht, dem Longyi, einem Wickelrock mit verschiedenen Mustern und dem schwarzen, geknöpften Hemd im burmesischen Stil. Am nächsten Tag reiste die Gruppe weiter nach Berlin, um die Bundespolizei kennen zu lernen.



Text: Hieronymus Schneider
Bilder: Hieronymus Schneider und Helmut Stocker