1. Sicherheit braucht Fitness

Der körperlichen Leistungsfähigkeit kommt im Polizeivollzugsdienst, wie in nur wenigen Berufen, eine herausragende Bedeutung zu. Schnell wechselnde Einsatzlagen, Wechselschichtdienst, besondere Erschwernisse durch geschlossene Einsätze, seelische Betroffenheit durch tragische Situationen und das Erfordernis einer professionellen Eigensicherung stellen hohe Anforderungen sowohl an die körperliche Leistungsfähigkeit als auch an die psychische Belastbarkeit.

Die Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten genügen diesen Anforderungen nur, wenn sie in einem angemessenen körperlichen Zustand sind. Von ihnen wird eine besondere Fitness erwartet, deren Grundlage bereits bei der Einstellung mit der Überprüfung der Polizeidiensttauglichkeit nachzuweisen ist und die während der gesamten Berufszeit für die Polizeidienstfähigkeit erhalten werden muss. Die sich verändernde Altersstruktur bei der Polizei verstärkt die Bedeutung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Sicherheit muss auch mit einem älter werdenden Personal gewährleistet bleiben.

Sport und Bewegung leisten einen wesentlichen Beitrag zur Einsatzfähigkeit der Polizei. Die physischen Leistungsvoraussetzungen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination sind durch den Sport in der Polizei alters-, geschlechts- und zielgruppenspezifisch zu fördern.

Eine hohe körperliche Leistungsfähigkeit ist Voraussetzung für ein effektives Einsatztraining und damit ein guter Prädikator zum Schutz des Individuums bei brisanten, die Gesundheit gefährdenden Einsätzen. Dadurch wird man auch seiner Verantwortung gegenüber den Kolleginnen und Kollegen im Einsatz gerecht.

2. Gewaltmonopol als Verpflichtung

Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich bei ihrem Schutz auf die Polizei verlassen können. Neue Erscheinungsformen der Kriminalität und der Gewalt, aber auch auf Respektlosigkeit beruhende Ordnungsstörungen, beeinträchtigen das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Umso höher sind die Erwartungen an das Leistungsvermögen der Polizei. Neben anderen Qualifikationen und Fähigkeiten vermittelt die körperliche Fitness Kompetenz und schafft Vertrauen in den Einzelnen, aber auch zur gesamten Organisation.

3. Sport hat strategische Relevanz

Aus seiner Organisationsverantwortung und Fürsorgepflicht heraus fordert und fördert der Dienstherr den Sport in der Polizei. Fordern, indem die Individualverantwortung, die Teilnahme am Dienstsport und die Beurteilungsrelevanz hervorgehoben werden und ein Leistungsnachweis verlangt werden kann. Fördern, indem Dienstsport angeboten, geeignete Sportübungsleiter und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Darüber hinaus können durch die Förderung außerdienstlichen Sports Individualinteressen berücksichtigt, die Motivation gestärkt und zusätzliche Anreize zur Sportausübung gegeben werden.

4. Prinzip Eigenverantwortung

Die Notwendigkeit, Sport zu treiben, gehört zum Polizeiberuf und muss tief und fest im Berufsbild verankert und zur Selbstverständlichkeit werden. Die individuelle Verantwortung für den Erhalt der eigenen Berufsfähigkeit, die sich aus dem Beamtenrecht ergibt, muss im Fokus bleiben. Dazu gehört die Teilnahme am Dienstsport.

Dienstsport allein ist aber nicht ausreichend, um die notwendige körperliche Fitness zu erlangen, zu erhalten oder gar zu steigern. Eigene sportliche Aktivitäten in der Freizeit und eine gesundheitsbewusste Lebensführung sind erforderlich. Hierzu sind bereits in der Ausbildung Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln.

5. Chefsache Dienstsport

Vorgesetzte stellen die Weichen für die Fitness in der Polizei, indem sie ihre Führungsverantwortung auch auf diesem Gebiet wahrnehmen. Ihrer Vorbildfunktion kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu. Bei der Vermittlung des vielfältigen Nutzens des Sports, der neben der körperlichen Fitness auch die positiven Auswirkungen auf das Betriebsklima und das im Einsatz notwendige Teamverhalten umfasst, sind sie eine wichtige Zielgruppe.

Die Aus- und Fortbildung des Führungsnachwuchses und der Führungskräfte muss dem Rechnung tragen.

6. Dienstsport erfordert Qualität

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass durch gezieltes und regelmäßiges Training ein alters- und geschlechtsspezifisches Leistungsniveau erreicht oder erhalten werden kann, das den hohen Anforderungen an den Polizeiberuf gerecht wird.
Dieses Training muss sowohl inhaltlich als auch bei der Durchführung einem angemessenen Qualitätsstandard entsprechen. Der Dienstsport erfolgt deshalb grundsätzlich unter qualifizierter Aufsicht lizenzierter Sportübungsleiterinnen und -übungsleiter oder sonstiger besonders geeigneter Personen.

7. Sportliche Leistung muss sich lohnen

Dem Dienstherrn ist an der körperlichen Fitness der Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten besonders gelegen. Deren sportliches Engagement sollte daher konsequenterweise Anerkennung finden. Hierzu sollte in der dienstlichen Beurteilung zur sportlichen Befähigung und zu sportlichen Aktivitäten grundsätzlich Stellung genommen werden oder es können gegebenenfalls zusätzliche Leistungsanreize gesetzt werden.

8. Mit Gesundheits- und Präventionssport den Anschluss nicht verlieren

Sport, regelmäßig und richtig betrieben, dient nicht nur im besonderen Maße der körperlichen Leistungsfähigkeit und Einsatzfähigkeit der Polizei, sondern wirkt sich insbesondere auch positiv auf die Gesunderhaltung aus. Aufgrund der unbestrittenen Belastungen im Polizeiberuf ist deshalb die Thematik von besonderer Bedeutung.

Gesundes Personal wirkt sich positiv auf die Funktionsfähigkeit der Polizei, auf die Aufgabenwahrnehmung und damit auf die Bürgerinnen und den Bürger aus. Geringere krankheitsbedingte Ausfallzeiten und weniger vorzeitige Ruhestandsversetzungen sparen Ressourcen.

Der Gesundheits- und Präventionssport (GPS) soll gesundheitsabträgliche Elemente, besonders für die im Wechselschichtdienst tätigen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten, kompensieren helfen. Durch seine Inhalte soll er die Beamtinnen und Beamten zu regelmäßigem Sport motivieren, an eine für den Beruf erforderliche körperliche Fitness heranführen und zu einer gesundheitsbewussten Lebensführung anregen. Programme zu Bewegung, Ernährung und Gesundheitsvorsorge ermöglichen den Wiedereinstieg, erzielen präventive Wirkung und unterstützen die Rehabilitation nach Ausfallzeiten.

Vor dem Hintergrund des älter werdenden Personals gewinnt der GPS immer mehr an Bedeutung. Der Erfolg von Maßnahmen des GPS in der Polizei ist wissenschaftlich belegt, wenn dieser unter Anleitung und aktiver Betreuung durch speziell ausgebildete Sportübungsleiterinnen und -leiter durchgeführt wird. Eine Individualisierung des GPS oder ein Training ohne dieses Fachpersonal ist nicht zielführend.

Die Regelungen zum Dienstsport gelten für den Polizeivollzugsdienst. Grund hierfür sind die besonderen Anforderungen und Belastungen des Polizeivollzugsdienstes. Der GPS weist aber eine Schnittmenge zum Behördlichen Gesundheitsmanagement (BGM) auf. Diese Behördenstrategie richtet sich an alle Bediensteten in den Verwaltungen und ist darauf ausgerichtet, gesundheitlichen Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz - einschließlich arbeitsbedingter Erkrankungen, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und psychischer Belastungen vorzubeugen, Gesundheitspotenziale zu stärken und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu verbessern. Ohne den übergeordneten Zweck des GPS aus dem Fokus zu verlieren, nämlich die Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten zur lebenslangen Fitness anzuhalten und dem besonderen Berufsbild und der Einsatzfähigkeit im Polizeivollzugsdienst gerecht zu werden, können Synergien in diesem Segment auch für das BGM genutzt werden.

9. Lust auf Leistung - auch im Sport

Der Wettkampfsport hat als wichtiger Teil des Sports in der Polizei eine lange Tradition und ist Ausdruck des Leistungsprinzips in der Polizei. Er ermöglicht ein Kräftemessen, gibt eine Standortbestimmung und motiviert zu weiteren Leistungssteigerungen. Wettkampfsport ist in besonderem Maße geeignet, Leistungswillen und -bereitschaft möglichst lange auf einem hohen Niveau zu halten.

Wichtige Werte und Aspekte wie Fairness, Disziplin, Zielorientierung, Teamarbeit, Respekt, Anerkennung, Umgang mit Niederlagen und Stressbelastungen sind dem Wettkampfsport immanent und für die Organisationskultur in der Polizei förderlich.

Der Wettkampfsport soll für den Breitensport einen positiven und gesunden Leistungsanreiz ausüben, um die eigenen Leistungen zu verbessern. Ziel für Breitensportlerinnen und -sportler soll sein, die eigenen Leistungen auf Wettkampfsportniveau zu steigern, um an Sportwettkampfveranstaltungen teilnehmen zu können.

Der Wettkampfsport baut auch innerhalb der Polizei Brücken und bildet Netzwerke. Er stellt ein Forum dar, wo Begegnungen über Landes- und Ländergrenzen hinweg möglich sind und Kontakte geknüpft werden können. Für die Polizei, die in der Bewältigung ihrer Aufgaben national und international zusammenarbeiten muss, sind gegenseitiges Verständnis und kollegiale Beziehungen von großem Nutzen.

Sportliche Leistungen tragen zu einem positiven Image bei, fördern das Ansehen und Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Polizei und vermitteln ein positives Sicherheitsgefühl. Erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler werden von der Öffentlichkeit als Teil einer in der Gesamtheit erfolgreichen Organisation wahrgenommen, die leistungsbereit, leistungsfähig und fit ist.

Meisterschaften und Sportlerehrungen sind wichtig, weil sie eine Wertschätzung des Dienstherrn für die Polizeisportlerinnen und -sportler darstellen, die überwiegend in ihrer Freizeit Sport treiben.

Wettkampfsport gehört zur Tradition und zum Selbstverständnis bei den internationalen Polizeien. Dies kommt z.B. dadurch zum Ausdruck, dass in der Union Sportive des Polices d’Europe (USPE) aktuell 40 Länder und auch ein Weltverband (Union Sportive Internationale des Polices USIP) besteht. Neben dem sportlichen Leistungsvergleich ist es ein weiteres Ziel, die freundschaftlichen und beruflichen Beziehungen zwischen den verschiedenen europäischen und internationalen Polizeien fortzuentwickeln. Bei den Meisterschaften kommt es zu einer Vielzahl von Begegnungen, die dazu beitragen, das Verständnis für die kulturellen und polizeilichen Unterschiede und für die Probleme und Chancen gemeinsamer Polizeiarbeit in einem enger zusammenwachsenden Europa zu vertiefen.

Das Deutsche Polizeisportkuratorium bekennt sich zum Anti-Dopingkampf und verpflichtet sich zur Anerkennung des WADA-Codes und NADA-Codes in analoger Anwendung. Ein zusätzliches eigenes Anti-Doping-Regelwerk ist daher nicht erforderlich.

10. Förderung des Spitzensports - Mission Edelmetall

Bei der Förderung des Spitzensports geht es in erster Linie darum, dass deutsche Athletinnen und Athleten bei internationalen Meisterschaften und Olympischen Spielen Top-Platzierungen belegen und damit auch auf besondere Weise Deutschland und ihr Bundesland repräsentieren.

Spitzensportlerinnen und -sportler im Kader oder einem vergleichbaren Status betreiben ihren Sport in der Regel in einem Lebensalter, in dem sich auch die Frage nach der beruflichen Zukunft stellt. Ohne die Förderung des Spitzensports sind Höchstleistungen, die einem internationalen Vergleich standhalten, kaum erreichbar. Staat und Gesellschaft stehen deshalb in einer besonderen Verantwortung. Die Förderung des Spitzensports ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Der Polizeiberuf eignet sich zur Integration in vorhandene und zukünftige Programme der Förderung des Spitzensports mit denen die Länder und der Bund mit einer weiteren beruflichen Perspektive für Spitzensportlerinnen und -sportler die Grundlage für sportliche Höchstleistungen schaffen.